Artikel rbb online, 01.04.2013 von Bettina Rehmann

Boykott der Theaterstudenten
Studenten besetzen Bühne im Maxim Gorki Theater

Das 6. Osterfestival der Kunsthochschulen am Maxim Gorki Theater hatte geladen – und 13 Schauspielstudenten der Justus-Liebig-Universität Gießen nahmen das diesjährige Motto „Aufstand proben“ wörtlich. Ihnen sollte am ersten Festivaltag die Hinterbühne für die erste Vorstellung gehören – sie besetzten diese.

Alle folgenden Vorstellungen des ersten Festivaltages, die auf der Hinterbühne des Maxim Gorki Theaters stattfinden sollten, fielen aus. Zuschauer wurden nach Hause geschickt, Eintrittspreise erstattet. Der Protest der Studenten richtete sich gegen die Ausbeute von Künstlern und generelle Mängel in der Bezahlung und Förderung von Kultur.

Maja Thiesen, eine der Festival-Verantwortlichen, sagte gegenüber rbb online, die Gießener Gruppe habe das Motto zwar perfekt umgesetzt, der Protest sei aber ausgeartet. Die Argumentation der Studenten sei zudem unausgegoren gewesen. Man unterstütze generell die Ansicht, dass Künstler nicht umsonst oder zu Dumpingpreisen auftreten sollten, gerade im finanziell knapp ausgestatteten Maxim Gorki Theater sei der Protest aber an der falschen Stelle ausgetragen worden.

„Boykott-Aktion hat Kunst verhindert“
Aufstand Schauspielstudenten Hinterbühne Maxim Gorki Theater (Quelle: rbb)

Acht Stunden hielten die Studenten die Bühne besetzt

Die Schauspielstudenten erhalten einmal im Jahr die Möglichkeit, die Bühnen des Hauses zu bespielen. Laut Theater auch eine Chance für angehende Studenten, das Angebot der Schauspielschulen kennenzulernen. Auch viele Angehörige sind unter den Zuschauern. Einige der Gruppen waren enttäuscht darüber, die Möglichkeit ihres Auftritts verloren zu haben.

Doch der Boykott sollte wohl wehtun – daher war die ganztägige Besetzung der Hauptbühne des Osterfestivals von den Gießener Studenten geplant. Vom Maxim Gorki Theater forderten sie eine symbolische Summe von 1.000 Euro als Honorar für ihren Auftritt. Laut Alma Weller Bou, selbst Mitglied der Gießener Gruppe, war der Grund für den Protest die Tatsache, dass mit dem Festival Verhältnisse im Kulturbetrieb reproduziert würden, die nicht in Ordnung seien. Man könne nicht immer umsonst Kunst machen, sagte sie gegenüber rbb online.

Die Besetzung der Bühne ab 15 Uhr dauerte acht Stunden, bis spät in die Nacht hinein wurde noch diskutiert. Nicht alle Studenten waren auf der Seite der Protestler, einige, so Maja Thiesen, hätten sich nicht solidarisch gezeigt und sich instrumentalisiert gefühlt. Gern hätten sie ihre Stücke gezeigt und die Boykott-Aktion der Gießener habe ihre eigene Kunst verhindert.

„Wir kommen, um zu boykottieren“ – Facebook Liveticker vom Protest

Die Aktion hatten die Studenten bereits in der Programmheft-Beschreibung angekündigt. Auf der Bühne wurden ein Plenum und ein Rat gegründet, die Forderungen auf Plakate geschrieben. Das Festival sollte lahmgelegt werden und ein Dialog über die finanzielle Situation des Kulturbetriebes mit anderen Studenten, den Verantwortlichen am Theater und dem Publikum entstehen.

Auf der Facebook-Seite des Osterfestivals konnte man in einer Art Liveticker verfolgen, was auf der Bühne passiert, es waren Posts zu lesen wie, „Die Hinterbühne des Maxim Gorki Theaters ist ab sofort besetzt! Kommt und solidarisiert euch!“ oder „Der Ticketverkauf wurde vor einer halben gestoppt. Das Theater kommuniziert dass die folgende Vorstellung ausfällt. Wir können nicht auf Toilette weil wir ja nicht zurück dürfen“.

Standpunkt des Maxim Gorki Theaters klar

Das Maxim Gorki Theater unterstütze prinzipiell die Argumente der Studenten. Das Haus wünscht sich laut Maja Thiesen selbst mehr Finanzmittel für Personal und Ausstattung. Es sei kein Geld vorhanden, um die Studenten für ihre Anreise zum Festival zu bezahlen. Unterstützt würden die Studenten dafür aber durch Sachmittel, Personal, das für die Aufführung zur Verfügung gestellt wird, Organisation und Pressearbeit. Das Festival sei für das Theater ein Minusgeschäft und grundsätzlich hätte man mit Repertoir-Vorstellungen zu Ostern ein besseres Geschäft machen können. Eine generelle Diskussion um eine bessere Förderung des Kulturbetriebs ist beiden Parteien ein Anliegen.

Am Ostermontag, dem zweiten Tag des Festivals verlief alles nach Plan, bei insgesamt neun Vorstellungen präsentierte sich unter anderem auch der Studiengang Schauspiel der Berliner Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“.

Quelle: http://www.rbb-online.de/nachrichten/kultur/2013_04/studenten_besetzen.html


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