Artikel auf dem Blog „sekt und brezel“, 04.04.2013 von emese

Den Aufstand bitte draußen machen.

Je länger ich über den Gießener Aufstand im Maxim Gorki Theater nachdenke, umso mehr Fragen habe ich. Da gibt es anscheinend ein Theaterhaus, das über den Aufstand an sich nachdenken lassen will und auch Raum geben will für „Inszenierungen“. Dann gibt es statt einem inszenierten Aufstand einen richtigen. Das Theaterhaus positioniert sich in diesem Zug völlig autark gegenüber jeglicher Kritik und untermauert das mit Sachzwängen. Ja, im Theater gibt es nicht viel Geld. Aber wie gut ist es denn, dass es laut ausgesprochen wird! Und dass es Menschen gibt, die den Aufstand dafür nicht mehr nur noch üben, üben, üben, sondern machen. Es kann doch nicht sein, dass man daran nichts ändern kann. Nicht diese Woche und nicht mit 1000 Euro, aber es kann doch was angestoßen werden. Wofür Aufstände üben, warum darüber diskutieren und philosophieren wenn sogar die, die dazu veranlassen, keine Lösungen suchen? Es gibt doch einiges wofür wir einen Aufstand bräuchten. Diesen nur zum Diskurs zu machen ist nicht weit genug gedacht. In einem Artikel habe ich gelesen, dass eine Studentin traurig gewesen ist, weil ihre Vorstellung aufgrund des Aufstandes ausfallen musste. Ich verstehe nicht ganz. Da gibt es Studierende die gegen die Verhältnisse protestieren, auf die sie geradewegs hinperformt und sie macht nicht mit? (Am besten wäre es noch gewesen, wenn sie in ihrer Arbeit auf die merkwürdige Geldverteilung in der Kulturszene hingewiesen hätte.) Wie Lisa aber ja schon schrieb, hätte es sehr wohl die Möglichkeit für sie gegeben ihre Arbeit innerhalb des Aufstandes zu zeigen. Aber gut.

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=a1WSb4YeiaA#!

Inszenierte Aufstände sind erlaubt. Ein vermeintlich nicht inszenierter nicht so richtig. Geduldet, aber scharf kritisiert. Wo ist denn da genau der Unterschied? Dabei hat sich das Theater merkwürdig mit dem Thema des Aufstandes an sich verbrüdert. Wenn ihr bei Google Theater und Aufstand eingebt, seht ihr was ich meine. Nicht nur, dass sich wirklich viele Dramen mit Aufständen und Revolutionen, mit sozialen Ungerechtigkeiten befassen, sondern auch Performances und Abhandlungen kreisen immer wieder darum, Theater als einen Ort für den Aufstand, für die Beschwerde zu etablieberen. Das Offenlegen schlechter Verhältnisse, das Aufzeigen von Missständen. Einige Arbeiten die sich mit Aufständen auseinandersetzen sind hier schon mit ihren Videos vertreten: Gob Squad: Revolution now! , Schorsch Kamerun: Der entkommene Aufstand., Hofmann&Lindholm: Basler Unruhen. Sie haben sehr unterschiedliche Ansätze und arbeiten sich an verschiedenen Punkten und Aspekte des Aufstandes ab. Es gibt noch mehr! Zum Beispiel: andcompany&co: Der kommende Aufstand ,wozu es leider keinen Trailer, aber ein tolles Programmheft gibt.

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=BgpL1DpB50Y

Doch ein richtiger Aufstand im Theater….gegen die Strukturen der Theaterszene?! Auch das ist nötig. Ein inszenierter Aufstand ist das ein Aufstand ohne Konsequenzen? Ein Aufstand von dem sich niemand gezielt angesprochen fühlt? Ein Aufstand der „die Augen öffnen will“? Hätten die Gießener Studierende in einer Performance anderer Art auf die finanziellen Missstände in der Theaterszene hingewiesen, dann müsste sich das Gorki jetzt nicht mit Sachzwängen rechtfertigen. Vielleicht hätten sie sogar applaudiert „ja, das ist wirklich ein schwieriger Umstand mit dem Geld…“. Mir ist schon klar, dass das Gorki nicht an erster Stelle was dafür kann, aber mit ihren Festivalstrukturen reproduzieren sie doch nur wieder die Ausbeutungsstrukturen, statt neue einzuführen, sich neue auszudenken. Schade!

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=mhI3cex0TYU

Wie schon gemeint, es gibt viele, sehr unterschiedliche Arbeiten zum Thema Aufstand, Revolution, Rebellion, alle inszeniert. Irgendwie klar. Trotzdem drängen sich mir immer mehr die Fragen nach Inszenierung, Realität, Illusion auf.
Ist der Aufstand nur noch auf der Bühne, als Diskurs möglich? Sollten wir nicht mal wieder trauen, so wie die Gießener Studierende, einen echten Aufstand inszenieren?!

So, noch der Link zu der Internetseite des polar Magazins, die sich unter anderem intensiv mit dem Aufstand in konkretem Bezug zum Theater auseinandersetzt. Kannt ich vorher nicht, finde ich gut.

Und, bisschen unnützes Wissen, das kürzlich erschienene Buch über Karin Beier, von Wolfgang Höbel trägt den Titel “Karin Beier – Den Aufstand proben. Ein Theaterbuch.” So so, proben…

Quelle: http://sektundbrezel.de/2013/04/den-aufstand-bitte-drausen-machen/#more-673


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