Lagebeschreibung in Stunde 3 der Besetzung

Der folgende Text ist während der Besetzungszeit von verschiedenen Besetzer_innen entstanden. Nachdem weiteren Zuschauern der Zugang zur Bühne verwehrt wurde und keinerlei Information zur Aktion an diese weitergegeben wurde (die Ansage im Foyer vom MGT lautete „Die weiteren Vorstellungen auf der Hinterbühne sind für heute abgesagt“), entschieden wir uns einen beschreibenden Text zur Lage zu schreiben und in der Kantine zu verlesen.

Aufstand kann nicht geprobt werden.

Schilderung der Lage: Die Hinterbühne des Maxim Gorki Theater Berlin ist im Rahmen einer Kunstaktion besetzt. Die Teilnehmenden dieser Aktion sind die eingelandenen Künstler zum Osterfestival sowie die Gäste bzw Zuschauer. Die ‚Aufführung‘ sprengt den im Vorraus gesetzen zeitlichen Rahmen von 60 min. Wir befinden uns in Stunde 3 der Besetzung. Den Forderungen, 1000 Euro als symbolische Aufwandentschädigung für alle Teilnehmer des Festivals zu bekommen und eine öffentliche Diskussion mit allen Beteiligten über Arbeitsbedingungen im Kzu ermöglichen, wurden von Seiten des Theaters verweigert. Die daraus folgende Situation ist:
18:15 Der Intendant teilt uns mit, dass wir nach 2,5 Stunden uns wieder frei bewegen können. Bis jetzt war es den Boykottierenden nicht möglich den Raum zu verlassen und ihn wieder zurück zu kommen. Die Forderungen des MGT ist, dass die Bühne verlassen werden muss obwohl sich einige der anderen Teilnehmer des Festivals mit der Aktion solidarisiert haben und den Wunsch ausdrücklich geäussert haben, genau in diesem Rahmen ihre Arbeiten zu zeigen. Die Leitung des Theaters ist nicht dazu bereit, Gespräche auf der Bühne zu führen. Die Bühne als Ort der Öffentlichkeit wird somit verhindert. Die Einladung zum Festival mit dem Titel ‚Aufstand proben‘ lautete: Das Festival bietet dem ‚Nachwuchs‘ die Möglichkeit ‚ohne Druck‘ und innerhalb eines professionellen Rahmens Theaterarbeiten zum Thema ‚Aufstand proben‘ einem ‚weit gefächerten Publikum‘ zu zeigen. Wenn dieser professoinelle Rahmen die Unterbindung eines Diskurses bedeutet und die Abschirmung einer Öffentlichkeit, stellt sich die Frage welchen Bedingungen Kunst heute ausegesetzt ist und unter welchen Voraussetzungen sie überhaupt erst gezeigt werden darf. Warum ist es in diesem Moment nicht möglich die ausbeuterischen Verhältnisse und die Entwertung der Arbeit gemeinsam zu thematisieren?

Bedingungen: Die Kuenstler haben die Moeglichkeit ihre Kunst auf der Bühne des MGT zu zeigen, im Vorgegebenen Rahmen unter dem Motto ‚Aufstand Proben‘ die Arbeit die dabei dahinter steht, die Unkosten die entstehen, die künstlerische Freiheit die Vorraussetzung jeder künstlerischen Arbeit sein sollte werden dabei nicht berücksichtigt noch wertgeschätzt noch diskutiert, und genau an diesem Punkt beginnt der Boykott. Wir boykotieren diese Verhältnisse und verstehen das als Kunst.“


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